Aufruf zum Protest

Unter der Überschrift „Sarrazin ist unwichtig – die rassistische Gefahr nicht“ ruft GLADT e.V. zum Protest gegen die Buchvorstellung von Necla Kelek und Thilo Sarrazin am Montagvormittag in der Schiffsbauergasse in Berlin auf.

Aus dem Aufruf:

Seit Tagen wird erneut in allen Medien über rassistische Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin berichtet – das Ziel eines ebenso eitlen wie primitiven Populisten und seines anscheinend von keinen ethischen Skrupeln geplagten Verlags, auf Kosten des friedlichen Zusammenlebens in diesem Land einen Sensationserfolg zu landen, scheint erreicht. Auch wenn das, was Bild und Spiegel aus dem Pamphlet Deutschland schafft sich ab vorveröffentlicht haben, so offensichtlich dumm und menschenverachtend, dass sich eine ernsthafte Diskussion der «Thesen» dieses aus Steuermitteln üppig alimentierten Hetzschreibers erübrigt: An einem solchen Punkt hilft es nicht, über die Aussagen eines «verwirrten Einzelnen» zu spekulieren, die dadurch vermeintlich erst aufgewertet werden.

Aber um Sarrazin als Person geht es auch gar nicht. Die Debatte über die Themen, die er nicht erfunden hat, sondern bloß gewinntüchtig zuspitzt, läuft schon viel länger und wird am Stammtisch wie im Feuilleton geführt. Er spricht damit einer Öffentlichkeit aus dem Herzen, die gern «Ausländer_innen», «Migrant_innen» oder «Muslim_innen» die Schuld für die sozialen Verwerfungen eines krisengeschüttelten Systems geben möchte, um sich das Nachdenken über die wirklichen Ursachen zu ersparen – eine Öffentlichkeit, die sich vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft erstreckt, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung.

[Via rhizom]

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5 Antworten zu Aufruf zum Protest

  1. Pingback: Verstehe immer gar nicht, wieso … « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Das Üble an Sarrazins Äußerungen ist, daß er irgendwo geschickt ein Körnchen Wahrheit versteckt. Es gibt ja tatsächlich Probleme mit mangelnder Integration. Nur leider kleidet S. diese einfache Wahrheit in so viel biologisch unhaltbare und ethisch nicht zu verteidigende Lügen, daß selbst die Wahrheit dadurch verzerrt und geschändet wird.
    Nicht vergessen sollte man übrigens eine ganz unanfechtbare Wahrheit: Sarrazin teilt 98% seiner Gene mit der Spezies Orang Utan. Daraus irgendwelche Nachteile für Orang Utans abzuleiten, ist unzulässig.

    • Lotta Gruen schreibt:

      Aber es braucht keinen Sarrazin, um über bestehende Probleme hiesiger Migranten zu diskutieren. Zudem ist er doch weiß Gott nicht der erste Mensch, der mit solchen Positionen an die Öffentlichkeit drängt. Und die Debatte krankt seit jeher daran, dass die Mehrheit der Meinung ist, die Muslime seien das Problem und nicht integrationswillig. – Wobei regelmäßig Assimilation mit Integration gleichgesetzt wird.
      Wenn man wirklich etwas ändern möchte, dann muss man mit Migrantenverbänden, Sozialarbeitern, Menschen vor Ort arbeiten und sprechen, Finanzmittel bereitstellen, die Bevölkerung für das Schicksal von Migranten sensibilisieren, Verständnis für eine differenzierte Betrachtung wecken. – Und gerade Sarrazin hat als Finanzsenator, wo er konnte, sinnvolle Projekte totgekürzt oder gleich gestrichen. Er ist für einen Gutteil der Misere in Berlin selber verantwortlich!

      Ich finde es unerträglich, dass diese Diskussionen jetzt dauernd vermischt werden. Sarrazin geht es nicht um real-existierende Probleme, sondern um Spaltung, Selbstgerechtigkeit, Rassismus und Menschenfeindlichkeit – wo sollte da der Raum herkommen ernsthaft und differenziert Missstände anzugehen? Also ich sehe eine solche Bewegung durch die angestoßene Diskussion nicht in Gang kommen, ebenso wenig wie bei den vorangegangenen Diskussionen ähnlicher Art. Die Probleme werden eher immer weiter verschärft, weil das „wir“ und „die“ immer festgefahrener wird.

      Schlimm finde ich auch, dass die Leute mit dem plumpen Argument „Nänänä, ihr könnt das Buch ja gar nicht beurteilen, ihr habt es ja überhaupt nicht gelesen“ zum Kaufrausch angestachelt werden. Und viele sind auch noch so brav und folgen dem.
      Nein, wirklich, man muss nicht jeden Scheiß lesen, um zu wissen, dass es Mist ist. In Sarrazins Fall reichen die Vorabdrucke oder einfach die Erinnerung an seine früheren Äußerungen und Taten. Interessant wäre das Buch allerhöchstens, wenn man das Psychogramm eines Rassisten erstellen wolle.

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    In der taz-Kritik wird ja ausführlich auf das Buch eingegangen (und ich bewundere Grimberg für dies Ausmaß an Gemütsruhe, ich wäre auf halber Strecke einem Schreikrampf erlegen). Für mich ist diese kurze kritische Inhaltsangabe völlig ausreichend.
    Finanzmittel bereitstellen ist natürlich so eine Sache. Deutschland ist verschuldet, und Berlin noch mal extra. Ich habe wirklich keine Ahnung, was da überhaupt noch geht. Aber zum einen geht ja Bankenrettung auch ganz gut und kostet mehr. Zum anderen beschleunigt ein Sparen an Bildung in jeder Form zwangsläufig den Ritt in die Misere. Vielleicht sollte man einfach mal ein paar Hausfrauen um Rat fragen; die können – so scheint es mir zunehmend – im Allgemeinen besser rechnen als der durchschnittliche Finanzfachmann.

  4. Steffi schreibt:

    Wir haben gestern „Hart aber fair“ geschaut. Dort ging es eben um dieses Buch.
    Die „Hart-aber-Fair“-Leute haben bei einer statistischen Modellrechnung gezeigt, dass dies so nicht stimmen kann. Außerdem befragten sie eine Quelle, auf die sich Sarrazin wohl gerne beruft, die ihrerseits dann klarstellte, dass das, was er von ihr zitiert, so nicht stimmt.

    Also ist dieser Auftritt für ihn auf voller Linie schief gelaufen, und trotzdem redete er munter weiter und fühlte sich komplett im Recht. Ein sehr von sich überzeugter und unsympatischer Mensch.

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