Die Necla und ihr Thilo

Necla Kelek und Thilo Sarrazin – die sind so ein Paar, da wird mir schlecht von. (Gut, zur Zeit ist mir eh dauernd schlecht.)

Beide werden heiß geliebt von den Jungens und Mädels von der Grünen Pest und Politically Incorrect. Aber auch von Ralph Giordano und Hans Olaf Henkel.
Weil der aufgeklärte Rassist gelernt hat, Juden sind nicht mehr das Problem, heute sind’s Moslems. Denn selbst der aufgeklärteste Rassist bleibt unfähig Kausalzusammenhänge herzustellen, geschweige denn ist er in der Lage sich mit Projektionen und der Identifikation mit dem Aggressor auseinanderzusetzen, er versteht nicht, was Reflexion oder Empathie bedeuten.
– Was naheliegend ist, immerhin würde der Rassismus sich selbst abschaffen, wenn Rassisten auf einmal anfingen mit sowas.

Der Sarrazin nun. Seit Jahren festklebendes SPD-Mitglied. Von 2002 bis vergangenes Jahr auch Berlins Finanzsenator. Er hasst Arbeitslose und Ausländer und ist allgemein das Paradebeispiel für einen, der ungeniert der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönt. Außerdem liebte er es Politiker mit Nebentätigkeiten zu sein, u.a. pfuscht er rum bei den Berliner Verkehrsbetrieben und der Vivantes GmbH (das sind die, die dafür verantwortlich sind, dass Berlins Krankenhäuser heute sind wie sie sind). Überhaupt ist es bemerkenswert; überall dort, wo in den Nuller Jahren in Berlin Korruption im Spiel war, hatte Sarazzin irgendwie immer seine Hände mit drin.
Und wenn Herr Sarrazin gewollt hätte, er säße bis heute als Finanzsenator im Sattel, könnte menschverachtende Tiraden ablassen und kein SPDler, der was zu sagen hat, würde groß mucksen. Ebenso wenig, wie gemuckst wurde, als Müntefering und Clement sich so lautstark selbstentlarvten. Vielleicht auch deshalb, weil man in der SPD weiß, dass man mit Rassismus und Hartz-IV-Hass Wahlvieh fängt.

Und selbst jetzt ist der Landesverband der Berliner SPD nicht bereit, Sarrazin der Partei zu verweisen. Obgleich diverse Kreischefs händeringend darum bitten.

Sarrazin hat also ein Buch geschrieben, das nicht nur vom Titel her an Broders „Hurra, wir kapitulieren“ erinnert: „Deutschland schafft sich ab“
Wer Lust verspürt in die Köpfe der Rassisten von Nebenan zu gucken, die uns nicht den Gefallen tun, dass sie sich das Haupthaar rasieren und SS-Runen-Tattoos tragen, kann die „Kunden, die diesen Artikel kauften, kauften auch“-Empfehlungen durchblättern und deprimiert den Kopf schütteln. Besonders in Anbetracht der vielen, vielen zustimmenden Rezensionen.

Am 30. August wird die „islamkritische Soziologin“ Necla Kelek gemeinsam mit Sarrazin dieses Buch präsentieren.
Necla Kelek, das ist die, die unter dem blumigen Titel „Die fremde Braut“ 2005 das Schreckgespenst der Zwangsheirat an die Wand malte und in den folgenden Jahren immer wieder dazu beitrug, die Muslime in Deutschland in eine Parallelgeschellschaft zu quetschen. Erstaunlicherweise muss man sagen, denn, als sie 2002 zum Thema „Islam und Alltag“ dissertierte, kam sie selbst zu ganz anderen Schlüssen, als jenen, die sie seit Jahren medienwirksam und im Sinne des deutschen Volkes von sich gibt.

Wann immer eine Islamexpertin von Nöten ist, um aus dem Nähkästchen der Parallelgesellschaft zu plaudern, kommt sie und erfüllt ihre Aufgabe ganz wundervoll:
Ganz sicher haben die Probleme der in Deutschland lebenden Muslimen nichts mit Alltagsrassismus, fehlenden Perspektiven und einem ungerechten, mangelhaften Bildungssystem zu tun.
Schließlich: Der Islam ist das Problem! Jeder, der dem nicht zustimmt, leistet der Islamisierung vorschub, unterstützt Steinigungen, Beschneidung und Burkas.
So bestätigt Kelek von berufener Stelle all jene, die schon immer gefunden haben, dass die Türken unsere Arbeitsplätze wegnehmen und zu viele Kinder kriegen. Und sie beruhigt jeden, der zwar ein leicht beklommenes Gefühl bekommt, wenn er von der Bildungsbenachteiliung von Migrantenkindern liest, aber dennoch froh ist, seine Kinder auf möglichst ausländerfreie Schulen zu schicken.
„Wenn selbst eine Türkin das sagt!“

Mit Kelek ist das so eine Sache, finde ich. Sie stammt ja scheint’s tatsächlich aus einer konservativ-islamisch geprägten Familie und, wie sie häufig betont, hat sie sehr unter ihrem Vater gelitten. Was nun allerdings kein Alleinstellungsmerkmal für muslimisch geprägte Familien ist, furchtbare Väter hat es überall. In ihrer Arbeit kreist sie jedenfalls immer wieder darum, dass „der Islam die Überväter in Frage stellen“ müsse.
Aber ich will mich gar nicht mit dem Seelenleben und etwaigen Kindheitstraumata von Frau Kelek aufhalten; denn sonst müsste ich das gerechterweise auch beim Sarrazin machen, wo mit Sicherheit ebenfalls Schauderhaftes zu finden ist,  das ist schließlich bei jedem Rassisten und Hetzer so, aber da habe ich keine Lust drauf.
Wegen ihres Vaterdramas allerdings, war in mir bisher so ein kleines Fitzelchen Sympathie für Necla Klelek. Aber das kam mir am Dienstag in der S-Bahn restlos abhanden, als ich in der Fußnote des Arikels „Thesen, wie von der NPD“ las, dass Frau Kelek allen Ernstes weiterhin willig ist, sich auf eine Stufe mit Sarrazins Rassismus zu begeben.
Und wie so oft wird sie sich bei jeder anfliegenden Kritik pudelwohl fühlen, sie, als mutiger Underdog, und sich bestätigt finden in ihrer verzerrten Wahrnehmung, Deutschland packe Moslems mit Samthandschuhen an.

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