„ratlosigkeit alter katzen“

Durch diese Suchanfrage hat ein Mensch auf mein Blog gefunden und ich musste schmunzeln. Das passt. Malo ist mit ihren 20 Jahren ein ausgesprochen ratloses Wesen bzw. sie leidet aller Wahrscheinlichkeit nach unter Altersdemenz.
Die Vergesellschaftung mit Nora und Anton war vermutlich auch deshalb von Malos Seite so einfach, weil sie rasch vergessen hatte, dass die zwei nicht schon immer hier waren.

Sie ist recht taub und das in Verbindung mit einer Demenz führt dazu, dass sie sehr laut ist. Dauernd quakt die Dame und mitunter röhrt sie wie ein Hirsch – weiß der Geier warum. Das nervt durchaus. Und besonders nach dem Umzug hatte sie es drauf des Nächtens eine Lautstärke in ihrem Röhren zu erreichen, dass ich fürchtete die Nachbarschaft würde uns bald die Polizei auf den Hals schicken. Entweder wegen Ruhestörung oder Tierquälerei.
Gott sei Dank ist das nicht passiert und unsere Nachbarin von Gegenüber beteuerte Malos Gebrüll nie mitbekommen zu haben, sie sich aber selber oft sorge ob ihr alter Zottel-Hund nicht das ganze Haus mit altersstarrsinnigen Bellen tyrannisiere. Was ich wiederum nicht bestätigen konnte.

Da Malos Augen inzwischen trüb geworden sind, nehmen wir an, sie sieht außer Schemen nicht mehr viel. Was sie vor allem wahrnimmt sind Gerüche, Luftzüge und Erschütterungen.

Wenn ich mir Malo heute angucke und das mit Bildern von vor zwei Jahren vergleiche, bin ich überrascht wie jung sie damals noch ausgesehen hat. Damals hat sie auch noch manchmal gespielt, was sie inzwischen gar nicht mehr macht. Heute ist ihr Fell struppig und sie putzt sich allerhöchstens mal die Vorderfüße. Daher muss sie gebürstet werden, was sie aber nicht mag und weil sie so alt ist, hat sie in allem Narrenfreiheit, deswegen bürste ich sie nur selten.
Sie darf neben „ihrem Wasserloch“ der Spüle schlafen bzw. sie hat durchgesetzt, dass sie das darf, denn es ist unmöglich sie davon abzuhalten.
Man setze sie herunter, versuche ihr alternative Schlafplätze anzuempfehlen und sie ignoriert vornehm, dass der Mensch, dieser Trampel, überhaupt nur auf die Idee kommen konnte derartiges zu versuchen. Mit einer stoischen Eleganz schreitet sie zurück zu ihrem Platz und thront schließlich wieder schlecht gelaunt über ihrem Wassernapf.
Das einzige, was hilft, ist sie auszusperren, aber darüber ist sie immer sehr ratlos und deswegen setze ich das nur durch, wenn gekocht wird, ansonsten darf sie bei ihrem Wasserloch bleiben.
Eine Eigenart übrigens, die sich aus ihrer chronischen Niereninsuffizienz (CNI) ergibt. CNI-Katzen suchen auffällig häufig die Nähe von Waschbecken und Spüle auf. Ich mutmaße, das könnte ein alter Instinkt sein: In Katzenaugen ist ein Wasserhahn eine frische Quelle und zur Quelle wollen nierenkranke Katzen, damit sie das Beste aller Wasser trinken können.

Neulich hatte Malo sich einen Schnupfen eingefangen. Und nun ist bei Katzen ein Schnupfen nicht so banal, wie er bei Menschen ist. Besonders Menschen älteren Semesters setzten oft Katzenschnupfen und Katzenseuche gleich und auch wenn das falsch ist, drückt es aus, wie verheerend ein Schnupfen auf eine Katze wirkt.
Malo nieste erst nur. Das klang sehr süß, wenn sie ihre „Hatschpüü“-Geräusche von sich gab und erinnerte mich an die Töne atomar verseuchter Würmchen bei Worms World Party, bereitete mir allerdings bald Bauchweh. Denn das Niesen hörte nicht mehr auf und sie begann sich zurückzuziehen, schlief tiefer als gewöhnlich und quakte oder röhrte gar nicht mehr.
F und ich wurden mal wieder damit konfrontiert, dass Tierhalter öfter als die meisten anderen Menschen mit dem Tod zusammenstoßen werden.
Durch Mucks chronischen Katzenschnupfen, den er von seinem Leben auf dem Schrottplatz mitgebracht hatte, immerhin kannten wir uns aus, wie man Schnupfen bei Katzen gut behandelt. Und so schaffte die Therapie aus Euphorbium, Immustim-Tabletten und einer Zylexis-Spritzenkur das, was ich ein Wochenende lang für unmöglich gehalten hatte: Malo erholte sich und wurde die Alte. Ratlos, quakend, verfressen und an ihrem Wasserloch rumgammelnd.

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