Zwei Monate vier Katzen

Anton und Nora sind auf den Tag genau zwei Monate bei uns.

Just liegt Nora – in einem Anfall von Unsinn, bei der Hitze! – halb auf Anton drauf, während er in Frieden schlummert.
Ich hatte zwei Monate Zeit mich in der Aussagen zu üben: „Ja, wir haben vier Katzen.“ Und die folgenden betretenden Blick auszuhalten, hinter denen ich Gedanken wie den folgenden zu sehen glaube: „Ach herrje. Vier Katzen. Das ist ja nicht normal.“
Merkwürdig bloß, dass ich das kaum erlebte, wenn ich früher von unseren drei Katzen sprach, das fand noch fast jeder normal. Die Grenze zum vermuteten Wahnsinn liegt also bei vier Katzen.

Nora und Anton sind Spanier. Wir haben sie über die „Tierhilfe Miezekatze“ gefunden und dazu noch unheimlich nette Menschen, denen das Tierwohl von ganzem Herzen ein Anliegen ist.
Es waren Antons Schnurrhaare, in die wir uns sofort verliebten. Und weil er sozial und nicht dominant ist. Eigentlich hatte es nur ein Kater werden sollen, als Spielkamerad für Wubi, der ohne die, für kastrierte Kater so typischen, soziale Spielereien nicht sein kann.
Dass es dann vier wurden, war der Tatsache geschuldet, dass Nora und Anton schon über ein Jahr gemeinsam auf ihrer Pflegestelle warteten und sich angefreundet hatten. Und weil Nora immer übersehen wurde und weil wir doch gerade erst in die riesige Wohnung gezogen waren.
F sagte herzergriffen: „Wir können die doch nicht auseinander reißen!“ Und: „Wie gemein, Nora wird immer übersehen…“

Dass wir spanische Katzen bei uns aufnehmen wollten, rief bei einigen Befremden hervor: „Wieso denn bloß!“ – „Wo es doch so viele deutsche Katzen gibt!“ – „Ich bin gegen den Import von heimatlosen Tieren.“
Eine Bekannte aus den Tierschutz äußerte sich geradezu ausländerfeindlich.
Ich kann verstehen, dass es frustrierend ist, wenn man als hiesiger Tierschützer zusehen muss, wie die eigenen Notfellchen kein Zuhause finden, während Katzen aus Spanien, Ungarn oder Polen vermittelt werden.
Aber 1. finde ich es wirklich absurd Tierschutz in enge Ländergrenzen zu setzen, 2. ist eine heimatlose Katze eine heimatlose Katze – wurscht, woher sie stammt. Und 3. nimmt der Großteil der Leute noch immer einheimische Tiere auf.

Da meine Großmutter in Spanien lebt, bin ich, seit ich mich erinnern kann, mit dem Elend spanischer Straßenkatzen konfrontiert. Irgendwie erschien es mir daher folgerichtig diesmal diese zwei Spanier aufzunehmen. Und auch, weil es in Spanien sogenannte Tötungsstationen gibt, wo jeder, der keine Lust mehr auf sein Tier hat, es ohne Angabe von Gründen abgeben kann. Das spanische Gesetz erlaubt den Tieren noch 21 Tage unter erbärmlichsten Bedingungen zu leben, danach dürfen sie vergast werden.
Derartige Einrichtungen gibt es übrigens auch in vielen anderen Ländern. Das ist also eher die Regel als die Ausnahme.

Aber zurück zu unseren beiden Neuzugängen: Vor der Ankunft hatten wir Bammel und platzten zugleich vor Vorfreude.
Ich machte mir Sorgen, wie die vier Katzen aufeinander reagieren würden – und dann war die Vergesellschaftung fast langweilig zu nennen. Malo fauchte dreimal, der Rest waren Nasenküsse, es gab nicht eine Klopperei.
Und so ist es geblieben und die Zufriedenheit, nach Hause zu kommen, während vier vollkommen einzigartige Wesen auf mich zu kommen: Malo, gelassen und krähend; Wubi, gurrend und schmusig; Anton, aufgeregt und interessiert; Nora, neugierig und vorsichtig.
Und das Glück, zwei Leben gerettet zu haben.

Die Bilder sind noch auf der spanischen Pflegestelle entstanden, ich hab sie von den Vermittlungsseite der Beiden von der „Tierhilfe Miezekatze“ genommen, da es uns derzeit an einer funktionsfähigen Digitalkamera mangelt (schreckliche Welt!).

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3 Antworten zu Zwei Monate vier Katzen

  1. Frank schreibt:

    Das sind mir schon zwei, die zwei. Anton, der Fliegenfängerheld und Nora, die Präfütterungsarienschmetterin. Gut, dass die zwei hier sind, da freu ich mich auch drüber.

  2. Marlene schreibt:

    🙂 Ist toll, wie euer Quartett sich bei euch wohl fühlt.
    Felix duldet leider keine Artgenossen im heimischen Revier … außerhalb der vier Wände auf dem Grundstück schon, aber dann ist auch gut 😉 Keine Ahnung, was ihm da in jungen Wochen widerfahren ist, wie er von der einen Frau wieder zurück zur Mutti geholt wurde 😕

    Zu euren Spanier … da hätte meine Nicht nun gefragt „verstehen die euch “ :mrgreen:

    Da bin ich nun ein bissel gespalten … einerseits sollte Tierschutz keine Grenzen kennen, jedoch nehmen wir damit dem Land die Verantwortung aus der Hand und es wird sich nicht viel ändern. Und bevor solch ein Tier in Tötungstationen landet, dann auf alle Fälle in ein anderes Land…. schade, dass da die EU nicht einmal eingreift … aber nein, da wird sich lieber über das Aussehen von Gurken, Bananen Gedanken gemacht 🙄

    Das gerade welche sich aus dem aktiven Tierschutz aufregen, ist für mich zum Teil unverständlich … vielleicht sollte sie noch einmal überlegen für was sie aktiv tätig sind und gerade in Grenznähe werden auch von uns Katzen vermittelt …also da muss der Tierschutz mal den Ball flach halten, denn wir „exportieren“ (boooh, was ein doofes Wort für Lebewesen) 😉

    LG
    Marlene

  3. Lotta Gruen schreibt:

    Ja, da hast du Recht. Ein EU-weites, einheitliches, fortschrittliches Tierschutzgesetz wäre dringend notwendig.
    Und stimmt, es ist was dran, wenn Deutsche spanische Tierschutzprobleme lösen wollen, ist da eine Schieflage. Einerseits. Andererseits habe ich aber immer erlebt, dass deutsche und spanische Tierschützer gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Also auch bei der Tierhilfe Miezekatze ist das so. Anders geht es auch gar nicht. Und die Katzen werden auch immer in Spanien zur Vermittlung vorgestellt.

    Und den Witz, ob Anton und Nora denn spanisch sprechen, haben wir selbstverständlich auch gemacht. Man ist sich ja nicht zu schade für schlechte Witze. 😀
    Anton musste sich wohl dran gewöhnen nicht mehr Antòn (mit tiefem O) gerufen zu werden, aber es geht. Er kennt seinen Namen (und das Rappeln der Leckerlie-Dose).

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