Und dann dieses Öl

Seit ich blogge, will ich was zu der Öl-Pest schreiben. Ich will schreiben, wie mir kalte Wut,  fassungsloses Entsetzen und unendliche Traurigkeit in die Glieder kriecht, wenn ich diese Bilder sehe.
Aber dann denke ich: Wenn du das so schreibst, ist’s irgendwie kitschig, pathetisch. Und irgendwie ist es ja auch offensichtlich, das sehen ja alle so.
Mich macht das ratlos.

Als ich vor ein paar Wochen davon las, dass Norwegen und Russland im Jahre 2010 endlich schwelenden Grenzstreitigkeiten aus Zeiten des Kalten Krieges beigelegt hätten, dachte ich: Na, das ist doch was. Wurde aber auch Zeit.
Als ich dann aber weiter las, dass es nur darum ging, endlich die tiefliegenden Ölvorräte der Arktis auszubeuten – und dafür wird die Natur dort natürlich umfassen zerstört – wünschte ich mir fast den Eisernen Vorhang zurück.

Mich überkommt dann immer diese Resignation. Dieselbe, die mich überkommt, wenn ich von der Ostseepipeline lese oder von der Dresdner Waldschlößchenbrücke und ihren Folgen. So ein hübscher Name, ein glatter Euphemismus für eine Monströsität.

Im Grunde ist es gleichgültig, ob es Öl ist, der Bauwahn, Gedankenlosigkeit und fehlende Rücksicht wenn Menschen über die Natur richten und entscheiden dürfen – oder sie einfach ihren Plastikdreck am See liegen lassen.

Am liebsten würde ich mich stellvertretend für all diese gleichgültigen und zerstörungswütigen Menschen bei den Tieren und Pflanzen entschuldigen. Aber weil Entschuldigungen für ein Kollektiv, dem man noch nicht einmal angehört, nichts bringen, sammle ich bloß den Plastikdreck ein und werde es selber allmählich müde dabei immer dieselben Schimpftiraden – über Gleichgültigkeit, Zerstörung und Ungerechtigkeit – abzulassen.

Fürchterlich.
Und dann dieses Öl. Und in den Artikeln und Berichten immer wieder der Verweis auf die wirtschaftlichen Schäden für BP und Obama und die USA und dass Obama jetzt nicht mehr so beliebt ist. Das ist doch tatsächlich gleichgültig und überdies widerlich, wie das Leid der Tiere, Natur und Menschen für politisches Kleinklein missbraucht und wieder nur auf Wirtschaftlichkeit runter gebrochen wird.

Schön wäre es, wenn wegen dieser Katastrophe tatsächlich von Tiefseebohrungen Abstand genommen würde, aber das kann ich mir kaum vorstellen. Und wenn wären es allerhöchstens die USA und das auch nur, so lange noch der Schock über die Zerstörung greifbar ist.
Allgemein ist man aber zu bequem, die Lehren aus den Katastrophen anderer zu ziehen.

Eine sehr lesenswerte Reihe über das „ölige Menetekel“ hat Monoma drüben bei sich auf die Beine gestellt.

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2 Antworten zu Und dann dieses Öl

  1. zettes schreibt:

    Wundere dich nicht, das hier noch deine älteren post kommentiere, ich hab heuer meinen Blog Tag und hole alles nach, was ich nicht geschaft hab. Dazu gehört auch dies hier. Lass dich nicht unterkriegen und mach dir keinen Kopf ob es kitschig und oder pathetisch klingt. Ich finde es wichtig das man das raus lässt was man denkt und empfindet. Sonst belastet es einen nur, es macht einen frei und zeigt anderen das sie nicht alleine mit ihren Gedanken sind. Wir sind millionen von Legionen, doch viele behalten es für sich. Mal ein Musik tip von mir, hör dir oder lies dir mal den Texte von Fanta 4 „Krieger“. Ich finde den Text sehr weise. Viele schlafen und träumen noch und wir sind es die sie aufwecken, das braucht viel kraft und anstregung und es gibt kein danke dafür.
    Es brauch auch keiner Schimpftriaden, dir fressen dich nur auf. Den anderen ein Vorbild zu sein, es denen vor zu leben das es auch anders geht ist die Antwort. Mir geht`s ja nicht viel anders, ich könnte jedesmal kotzen, wie die leute ihren Müll im Park liegen lassen und ich deshalb dort nicht mehr grillen soll. Aber hey, letztens im Schiller Park saßen da auch ein paar jugendlichen, nebenan grillten wir, denen es total gleichglütig war das sie ihren müll zurück ließen, darauf angesprochen und ihnen eine Müll tüte gereicht räumten sie alle ganz standig den müll beiseite.
    Naja, jetzt nicht das wirklich große beispiel zum kontext. Aber es funtioniert Menschen anzusprechen und die Hand zu reichen. 🙂

    • Lotta Gruen schreibt:

      Ich wundere mich nicht, ich freue mich, wenn auch noch ältere Beiträge Kommentare finden. 🙂
      Ja, natürlich ist das direkte Ansprechen am hilfreichsten, nur oft sind die Verursacher schon lange weg. Aber hier in den Rehbergen ist es ja Gott sei Dank fast gar kein Problem! Im Volkspark F-Hain war das immer krass. Besonders dämlich waren die Griller, die ihre noch glühenden Kohlen in die vollen Müllbehälter warfen und so am laufenden Band Brände verursachten. Weswegen dauernd Polizei und Feuerwehr anrückten mussten. Was neben dem unsäglichen Gestank von verbrennendem Plastik, ebenfalls abträglich für einen entspannten Parkabend war.
      Wir haben uns oft gefragt, ob das Dummheit oder Gleichgültigkeit war, die zu diesen Bränden führten.

      Ob Schimpftiraden auffressen, hmm. Nicht grundsätzlich, finde ich. Es kann durchaus eine befreiende Wirkung haben, seiner Wut mal verbal ordentlich Luft zu machen.
      Aber du hast Recht, so ein Blog ist gut um rauszulassen, was man denkt und empfindet. 🙂 Wenn man denn genug Zeit dafür findet. Seufz.

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