Die schwarze Gartenkralle des Todes

Die Pflanzen und ich, wir haben ein problematisches Verhältnis. Ich liebe sie, aber bisher habe ich es noch immer geschafft sie dahinzuraffen. Das soll jetzt endlich anders werden, denn unbegrünte Balkone sind doch ein Trauerspiel. Außerdem langweilig für die Katzen. Und so ein Katzennetz ohne darin rankender Kapuzinerkresse, das will ich auch nicht mehr.
Also muss ich das endlich lernen.

Ich beneide alle Menschen, die es schaffen einen kleinen Urwald auf ihren Balkonen zu etablieren und hecke in dunklen Stunden des Neides Entführungspläne aus um diese Menschen fortan auf meinem Balkon wirken zu lassen.

Vor ein paar Tagen entdeckte ich, dass die Schnittlauchkeimlinge ihr Wachstum eingestellt hatten und sich ein ekeliger gelblicher Belag an einigen Stellen auf der Erde gebildet hatte. Den habe ich todesmutig abgekratzt, ahne aber, dass das Problem damit nur optisch gelöst ist. Und auf der Kapuzinerkresse, die sich mit den toten Schnittlauchkindern den Kasten teilt, wohnt eine kleine Blattlausfamilie.
Das verdarb mir den Abend. Und den nächsten Tag. Ich haderte mit mir. Das Balkonbuch meinte, es könnte sich um Wurzelfäule handeln, denn: Dann kippen die Keimlinge und sterben ab. Auf dem entsprechend ekelhaften Bild war auch so Belag zu sehen.
Jetzt könnte man meinen, beherztes Zugreifen sei das Mittel der Wahl. Aber ich verfalle in eine Starre.

Neben meinem schwarzen Daumen plagt mich nämlich noch ein ausdauernder Ekel vor Pilzgeflechten und ihren Sporen. Schuld daran sind: Die Haarer’sche Hygieneerziehung, der mein Vater zum Opfer fiel, ein Heilpraktiker, der Biounterricht in der 7. Klasse und meine zweite Wohnung – aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls, wenn es um Schimmel geht, mache ich in Gedanken das, was dicke Damen in alten Geschichten machen, wenn sie eine Maus sehen: Ich springe kreischend vor Ekel auf den nächstbesten Stuhl.

Inzwischen weiß ich, dass die Kapuzinerkresse dafür bekannt ist, schwarze Blattläuse anzuziehen und dass zwar überall eine Behandlung mit Seifenlauge vorgeschlagen wird, aber jene, die es ausprobierten, nur berichten konnten, dass danach sowohl Blattläuse, wie Pflanzen hinüber waren. Marienkäfersaison sei leider noch nicht.
Und mancher Gärtner-Boy trauert den Zeiten nach, da hochgiftige Fungizide für den Hausgebrauch erlaubt waren.
In meinem Ekel sehne ich mir übrigens auch Hochgiftiges herbei und bin daher froh, dass das nicht mehr erlaubt ist, sonst würde ich das hinterher noch kaufen und das wäre dann extra bitter.

Ich glaube inzwischen hat sich sogar ein bösartiger kleiner Pilzkopf zwischen den Schnittlauchstängelchen gebildet. Aber ich traue mich nicht, das näher zu untersuchen. Da muss erst F nach Hause kommen. F, mein Retter im Schimmeldilemma.
Und das, obwohl ich teure, von Stiftung Warentest empfohlene Erde verwende, Staunässe vermeide und gelernt habe, Pflanzen sollen lieber vertrocknen als ersaufen. Weswegen unter meiner stolzen Obhut schon eine Unzahl von Pflanzen verdurtest ist.

Es ist ein Kreuz, wenn man den schwarzen Daumen und einen Nordost-Balkon hat. Aber da geht es wenigstens nicht nur mir so.

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3 Antworten zu Die schwarze Gartenkralle des Todes

  1. Claudia schreibt:

    Gruß vom Friedenauer Ostbalkon. Gegen Blattläuse helfen Marienkäfer (sammeln und auf den Balkon setzen, dann machen die schon alles richtig). Wenn die Marienkäfer nicht dagegen ankommen, tut es auch Orangenessenz (verschiedene Insektizide auf dieser Basis sind im Handel erhältlich). Zwar ist Orangenessenz für Wirbeltiere aller Art ungefährlich, aber für Insekten und Spinnen aller Art tödlich. Deshalb sollte man auch die „biologischen“ Insektizide nur im äußersten Notfall benutzen – denn sie killen auch Marienkäfer, Kreuzspinnen und Schmetterlinge.

  2. Marlene schreibt:

    *hehe*

    Einen grünen Daumen hab ich auch …. und zwar für Unkraut 😆
    Kapuzinerkresse zieht Läuse an, dass habe ich auch schon einmal gelesen und da du ja diese für die Katzen haben möchtest wird es wohl auch schwierig mit Lavendel die von der Kresse fern zu halten. Stelle doch einmal ein Töpfchen Lavendel auf … vielleicht schmeckt den Läusen das ja besser *hihi* … bei unseren Rosen hilft es 😉

    LG
    Marlene

  3. Lotta Gruen schreibt:

    Mittlerweile habe ich mich wieder ein bisschen bekrabbelt. Das Balkonbuch hat wohl (hoffentlich) Stuss erzählt und es scheint keine Wurzelfäule zu sein. Ich hab den Mini-Schnittlauch entsorgt und dabei festgestellt, dass der doch ganz gut angewachsen war. Hm. Der Kapuzinerkresse gehts besser. Die Blattlausfamilie ist klein und sieht harmlos aus. Die wollen ja auch wo leben… Zumindest bis ich die Marienkäfer hier angesiedelt hab. 😉 Ansonsten, wenn’s arg werden sollte, probier ich das Orangenzeuch. Danke für den Tipp, Claudia!

    Ja, Marlene, Lavendel, das wär natürlich das Schönste. Ich liebe Lavendel. Aber leider glaub ich, den würde es hier gleich hinraffen, dafür sind die mickrigen – wenn’s hoch kommt! – vier Sonnenstunden zu wenig.
    Aber der Rest des Balkons macht sich. Die Kapuzinerkresse blüht und rankt auch fleißig. Der Rest blüht und duftet und meine Katzengras-Liegeflächen fürs Getier ist enorm gegrünt.

    Aber danke für euer Mitgefühl! 🙂

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