Horst Köhler und die Heimatfront

Es war neulich beim Duschen, also eigentlich danach: Wie meist beschallte mich der Deutschlandfunk. Immerhin nicht mit Strafjazz, sondern einem Kommentar zur Lage der Nation, dass man nun Krieg sagen dürfe und „unsere Soldaten“ uns brauchen würden. Während ich mir die Füße trocken rubbelte sprach der Kommentator von der „Heimatfront“. Und zwar vollkommen ernst. Die Heimatfront nämlich, die sei auch und vor allem das Problem für „unsere Soldaten“. Wenn sie erfolgreich sein wollen, bräuchten sie die Gewissheit, dass die deutschen Bürger hinter ihnen stünden.
Ich würde das gerne verlinken, aber leider weiß ich den Namen dieses Menschen nicht mehr und die DLF-Suche spuckt’s nicht aus.

Und nun Horst Köhler.
Dieser
unfotogenste aller Mensch. Diese geradezu putzig anmutende, nagetierähnliche Lebensform, die Dinge sagt, wie z.B. das am 22.5.2010 im Deutschlandradio Kultur:

Wir haben ja leider diese traurige Erfahrung gemacht, dass Soldaten gefallen sind (…) Aber es wird wieder sozusagen Todesfälle geben (…)

Ja. Das gehört naturgemäß – und, wie ich finde, gerechterweise – zum Berufsbild eines Soldaten.

Zudem hat Köhler noch dies gesagt:

Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.

Heute klagt er dann, bzw. lässt klagen, man habe ihn missverstanden. Nicht Afghanistan sei mit diesem Absatz gemeint gewesen, sondern doch bloß die doofen Piraten z.B. vor Somalia.
Aha.
Als ob das irgendwas besser machte.

Bemerkenswert  finde ich an diesem Interview, wie Köhler immer wieder die Diskussion hierzulande betont, wohlwissend, dass derartige Aussagen des Bundespräsidenten „die Dikussion“ natürlich beeinflussen werden. Und wenn sich die Empörung gelegt hat, wird sie auch ganz schnell vergessen sein, die Empörung, Köhlers Aussage aber nicht.
Ich orakle: Man wird sich an diese Sicht der Dinge gewöhnen und sie nicht mehr ganz so empörend finden, dann wird ein anderer kommen, vielleicht Guttenberg – und der ist ja beliebt beim Volk – der sagt: „Ja, Deutschland als Exportweltmeister muss das auch bleiben dürfen. Und wenn es sein muss mit militärischen Mitteln.“
Da wird sich auch noch empört, aber schon sehr viel leiser. Und irgendwann kommt dann noch mal wer, der das auch findet. Vielleicht ja der Hundt, dem sind deutsche Handelswege bestimmt lieb. Aber diesmal schreit dann nur noch die Linkspartei rum und dieselbe Meinung wie die Linkspartei („Diese Populisten!“ – Zitat irgendein beliebiger Journalist oder Politiker), die will man ja nicht haben. Also schließt man sich dem Hundt an, eigentlich ja dem Köhler, den man im Mai 2010 doch noch bespucken wollte.
Krieg. Da weiß man was man hat.

Sind wir also ein Stückchen weiter bei der, Häppchenweise servierten, Gewöhnung an Krieg als Normalzustand. Über das eiserne Ehrenkreuz hat sich ja schon kaum jemand mehr aufgeregt.
Überhaupt: Was sollte einem lieber sein, Politiker, die so naiv sind und ernsthaft glauben Kriege haben ganz sicher nichts mit Wirtschaftsinteressen zu tun oder solche, die aalglatt und bigott sind oder jene, die es einfach nur lieben „Eklat! Empörung! Nänänänänä!“ zu rufen?

Jedenfalls fügt es sich doch schön, dass es schon wieder Schwarzrotgold-Flaggen zu kaufen gibt und bald wieder jeder, der will, sich besinnungslos am Spaßpatriotismus besaufen kann.

Bild: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (cc)

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