Lost also

Sechs Jahre Lost. Und nu ist es das gewesen. Das Ende finde ich irgendwie, ich weiß es nicht genau. Schön und traurig und unpassend und aber dann doch irgendwie auch nicht. Nun ja, nicht umsonst, steht da oben Ratlosigkeit. Was hatte ich erwartet? Jedenfalls nichts derart Abgefahrenes, wie es sich mancher Hardcore-Theoretiker ausmalte.

Und letztlich bin ich nie ein Lost-Fan gewesen, der sich auf Zahlenrätsel und Hieroglyphen und Philosophennamen stürzte. Es gab genug Momente, da ich Lost nicht weitergucken wollte. So nervig war Michales „I WANT MY SON BACK!“, Kates und Jacks Dauergeflenne und schließlich die Wandlung von Locke, bevor man wusste wieso er so blöde geworden ist. Und mein Gott, als Charly starb und Jin als tot galt und Juliet so einen dusseligen Tod fand, da hatte ich nicht wenig Lust einfach aufzuhören. Aber irgendwie blieb Lost eine Konstante. Eben seit sechs Jahren.

Lost. Das war damals, als wir noch rauchten und oft erst im Morgengrauen nach Hause kamen. Das war der Blick aus dem Fenster auf den 200 Jahre alten Friedhof mit seinen Wipfeln und der Sonne, die dahinter aufging. Das war der Versuch Sawyer im Originalton ohne Untertitel zu verstehen. Das war die Cousine von F., die bei uns in der Küche saß, umständlich an ihrer Zigarette zog und erklärte wie verliebt sie in Sayid war, wenn sie ihn im Englischen hörte und wie abgestoßen von seiner deutschen Synchronstimme. Das war die Erleichterung wie gut man Mr.Ekos Englisch ohne Untertitel verstehen konnte und der Ärger, als er einfach starb. Und irgendwann, wie eine Offenbarung, die Untertitel von Willow, der Unermüdlichen. Das waren Anrufe von S., die nicht fassen konnte was geschehen war. Das war Schadenfreude und Enttäuschung zugleich, dass AnaLucia und Libby sterben mussten, weil sie im RL beim betrunkenen Autofahren erwischt worden waren. Das waren Penny und Desmond. See you in another life, brother. Das war ich, die erklärte wie schön und wunderbar Juliet sei und von allen Kopfschütteln erntete. Das waren viele Tränen und Frust und Giggeln und in den Staffelpausen Fs stetige Fragerei: Wann geht eigentlich Lost weiter?

Das Finale hätte so viel mehr Sawyer und Juliet und ganz viel Penny gebraucht. Und viele der Tode in dieser letzten Staffel fand ich unnötig und lieblos. Aber aufgefangen wurde das durch die alternative Timeline. Die gefiel mir, da waren alle da und konnten glücklich werden. Besonders Ben mit seiner Alex und Danielle. Und deswegen bin ich jetzt auch nicht mehr so enttäuscht, wie ich es im ersten Moment war, als ich dachte: Ernsthaft, das ist die Auflösung? Wussten die Macher das auch schon, als sie mit der 6. Staffel begannen?
Und dennoch und trotzdem: Alles in Allem ein Abschluss, dem ich mich anschließen kann.

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Eine Antwort zu Lost also

  1. Frank schreibt:

    Eine schöne Zusammenfassung! Hier gibt’s auch noch eine schöne Besprechung des Serienfinales, inklusive Reflexion der latenten Enttäuschung, die man beim und kurz nach dem Gucken verspürte.

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