Mucki Muck-Muck

Als Erstes hier. Weil’s oben ja auch „Katzen“ heißt und er mein Leben so bewegt: Muck.

Schreibblockade, dein Name sei Muck

Der Blick, kurz bevor er gurrt

Muck kam zu uns am 11.11.2006. Krank und elend, aber vergnügt wie nur was. Die ersten Lebensjahre hatte er auf einem Schrottplatz in Sachsen, in einer Hunde- und Katzenkolonie gelebt. Seine Schwanzspitze und sein rechter Ellbogen waren gebrochen gewesen, irgendwann einmal und nicht versorgt worden. Ernährt hatte er sich von Abfall, als die Tierschützer ihn fanden, war er mager, ihm war das Fell ausgefallen und sein chronischer Katzenschnupfen war akut, blutig und eitrig. Man glaubte kaum, dass er eine Überlebenschance hätte. Aber Muckis Lebensmut war ungebrochen und er liebte – weiß der Geier wieso – Menschen. Alle waren bezaubert von diesem kleinen Wunderwesen. Der Kleine. Ja, klein war er. Wenn er so da saß, wie auf dem Laptopbild, noch nicht einmal 30cm lang. Klein und laut. Gegurrt hat er und gekräht und geschnurrt und geseufzt und geschmatzt und geschnarcht. Es ging ein stetiger Geräuschpegel von ihm aus.

Und seine Krallen konnte er nicht richtig einziehen. Deswegen war er mein Tierchen mit dem Brombeergestrüpp an den Füßen. Oh, was hat er mir die Oberteile zerlöchert! Und mich mit Faulenzia angesteckt, weil er, einer Klette gleich, immer bei und auf und neben mir saß und schnurrte und vergnügt die Augen zu kniff und schmunzelte.

Verliebt war er in mich. Ich weiß gar nicht warum, aber das war er vom ersten Moment an. In den drei Jahren und drei Monaten, die wir mit ihm verbringen durften, haben wir ihn nicht einmal Fauchen oder Knurren gehört. Er hatte jeden Menschen gern, hat dauernd Stifte und Flaschendeckel und sonstiges Kleingezeugs von überall runtergekickt und ist fröhlich gurrend mit seinem selbsterfundenen Spielzeug durch die Bude gehopst.
Und wenn ich fort war, berichtete F., saß Muck vor der Wohnungstür und maunzte ungeduldig.
Und wenn ich wiederkam war er sofort an der Tür, gurrte und schnurrte zugleich, kletterte an mir hoch und stupste seine Nase gegen meine.

Oder manchmal, während er auf mir lag, da kringelte er sein Schwanzspitzchen um mein Handgelenk, wie es ein Klammeraffe täte, und schmunzelte.

Ach Muck.
Und jetzt bist du fort. Für immer. Schon so lange inzwischen, dass ich nicht mehr aus dem Stegreif weiß, wie lange. Nur dass es an einem Montag war. An einem Montagmittag in diesem grauenhaften Winter. Am 1.2.2010. Du bist nur sechs Jahre geworden und als du gegangen bist, da hast du ein Stück von mir mitgenommen. Ein Stück Unschuld und Zuversicht und Lachen. Mein kleines Paduppelchen. Ich lass noch immer jede Nacht auf meinem Kopfkissen den Platz für dich frei. Malo liegt jetzt oft dort. Oder Wubi manchmal.
Ich wünsche mir so sehr ich könnte an ein Jenseits oder Wiedergeburt oder Geister glauben, aber das kann ich nicht. Und ich wünschte in der Zeit zurückreisen zu können und viel früher das Ausmaß deiner chronischen Niereninsuffizienz zu erkennen und zu kämpfen. Vielleicht wärst du dann noch hier.
Wir vermissen dich. Du fehlst und fehlst und fehlst.

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8 Antworten zu Mucki Muck-Muck

  1. Sylvia schreibt:

    Jetzt sitze ich hier und heule 😥
    Ich weiss, wie weh es tut!
    Ich weiss auch, daß wir sie nie vergessen werden … gut so!
    Aber wenn ich deinen Bericht so lese weiss ich auch, daß Muck es gut bei euch hatte, er hat dich geliebt und sein Leben genossen!
    Und das war es wert, auch wenn sein Leben zu kurz war … es ist immer zu kurz!

    Und was die Niereninsuffizienz betrifft … das schlimme an dieser Krankheit ist, daß, wenn der Creatininwert erhöht ist, bereits 70 % der Niere unwiderruflich zerstört ist.
    Trotzdem muss es nicht immer so schlimm enden wie bei deinem Muck und bei meinem Boomer.
    Meine Biene lebt seit Jahren mit CNI, und ich habe sie homöopathisch im Griff.

    Muck wird dich nie vergessen, genausowenig wie du ihn.
    Irgendwann sehen wir sie wieder! Ich glaube fest daran!

    Ganz liebe Grüße,
    Sylvia

  2. Lotta Gruen schreibt:

    Ach Sylvia, ja das hoffe ich.
    Deine Anteilnahme tut so gut!

    Ich hab hier auch noch ein zweites CNIchen. Malo. Sie ist inzwischen 20, lebt jetzt seit vier Jahren mit der Krankheit und ihre Werte hatten sich allein durch Phosphatbinder und Nierendiät sogar immer gebessert!
    2007 mussten ihr Mundgeschwüre entfernt werden, dann hatten wir lange Ruhe. Jetzt, im Grunde seit dem Umzug Anfang März, macht ihr das wieder mehr zu schaffen.
    Aber sie hat Gott sei Dank einen gesegneten Appetit (nur das Diätfutter verschmäht sie inzwischen…).

    Aber ich glaube auch weil bei Malo die Krankheit so milde verläuft, haben wir uns am Anfang in Sicherheit gewiegt, dass unser altes TA-Ehepaar es schon richtig wissen wird. Und bei vielen andern Krankheitskrisen waren sie so gut und nett außerdem. Naja, wir waren ja Stammgäste, unser Verhältnis war fast schon freundschaftlich. Aber dann sind im Nachhinein so viele Schludereien und Inkompetenzen aufgefallen. Muckis tödliche CNI-Krise z.B. ging nach einer Narkose los. Obwohl die letzten Werte von ihm schon nicht berauschend waren – haben die ihn ohne Infusionen zur Entgiftung eine ganz normale Infusionsnarkose verpasst.

    Gibst du Biene SUC oder Renes Viscum?
    Wir haben leider erst zu spät von den Behandlungserfolgen von SUC erfahren. Wir hatten so gehofft, dass es noch helfen würde. Aber obwohl sich Muckis Werte wieder gebessert hatten, nach dem ganzen Behandlungszirkus, der da so aufgefahren wurde, wollte er nicht mehr. Er hatte das Fressen eingestellt und das war einfach nur ein Alptraum.

    Aber so schlimm es war und so weh es noch tut, ich bin dankbar für das Glück diesen wunderbaren Kater gekannt zu haben und von ihm geliebt worden zu sein.

  3. Sylvia schreibt:

    Ich habe auch ein fast freundschaftliches Verhältnis zu meiner Tierärztin und bleibe trotzdem immer skeptisch. Ich habe einfach schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Bei so vielen Tieren, wie sie bei mir leben, auch kein Wunder (ich weiss nicht, ob du mal auf meinem Blog warst?) …

    Ich mache mich auch viel selber schlau (Internet, Fachbücher) …
    Man lernt nie aus und auch ein noch so guter Tierarzt kann nicht alles wissen 😉

    Malo ist 20? Alle Achtung! Da würde ich mir bezüglich CNI keine allzu große Sorgen mehr machen 😉

    Biene bekommt die Heel-Kur.
    Schau mal hier:
    http://meinerasselbande.wordpress.com/2009/08/26/erleichterung/

    Mein Boomer wollte zum Schluß die Diätkost auch nicht mehr fressen. Ich merkte, daß ich ihn verloren habe und so hat er die letzten Wochen Futter bekommen, was ich normal nie kaufe! …iskas, …elix, …itekat 😉
    Sollte er doch zum Schluß noch alles bekommen was er wollte!
    Und als er das auch nicht mehr fressen wollte, wusste ich, jetzt ist der Tag gekommen.
    Boomer ist zuhause in meinen Armen eingeschläfert worden, Samstags nachmittags … das macht auch nicht jeder Tierarzt mit …

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  4. Lotta Gruen schreibt:

    Ja, Sylvia, die Heel-Kur, das ist das, was ich unter SUC kenne.
    Wir haben Mucki auch jeden Supermarkt-Mist vorgesetzt. Eben alles, was uns einfiel; Thunfisch, frisch gepulte Krabben, gedünstetes Huhn… Im Nachhinein kommt es mir so vor, als wäre ich die letzten zwei Wochen seines Lebens mit kaum was anderem beschäftigt gewesen, als ihn zu füttern. Überall standen halb angebrochene Futterdosen/Beutel rum, furchtbar. Für Wubi und Malo muss es wie im Schlaraffenland gewesen sein.
    Falls ich mal schlafen konnte, träumte ich, wie ich mit dem Napf hinter Muck her laufe und wenn ich wach war, war es das Gleiche.
    Die furchtbare Ironie an dem Ganzen: Er wäre auf dem Schrottplatz seinerzeit fast verhungert, aber da hat er jeden Abfall gefuttert (das hat er auch beibehalten, wenn wir nicht vorgesorgt hätten, hätte Mucki uns den Bio-Müll ausgeräumt…) – zum Schluss seines kurzen Lebens aber ist er buchstäblich vor dem vollen Napf verhungert, am Tag seines Todes wog er nur noch 2,4kg.

    Es ist schön, dass Boomer bei dir in seinem vertrauten Heim einschlafen durfte. Wir haben Muck in der Tierarztpraxis erlösen lassen. Das war furchtbar und tut bis heute zu weh, daran zu denken.

    So, aber jetzt geh ich mir mal dein Blog angucken. 🙂

  5. Sylvia schreibt:

    „Überall standen halb angebrochene Futterdosen/Beutel rum, furchtbar.“

    Wie gut ich das kenne! Damals bei Boomer und eigentlich immer, wenn eins meiner Tiere ernsthaft krank ist …

    Boomer wog zum Schluß noch knapp über drei Kilo. Er war immer ein schlanker, aber großer Kater mit schicken langen Beinen gewesen …

    Erlösen müssen ist immer schlimm, aber ich finde es auch in der TA-Praxis noch viel schlimmer als zuhause. Blödes Thema heute, denn diese Nacht ist der ältere Hund meiner Eltern eingeschläfert worden … nach über 13 Jahren im Notdienst in einer TA-Praxis 😥

    Danke für deinen Besuch auf meinem Blog 🙂
    Ich würde mich freuen, du würdest häufiger vorbeischauen 😉

    Im Feed-Reader habe ich dich schon, werde dich jetzt auch direkt noch in meine Blogroll packen 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

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