Das Brokkoli-Patent

“Ja, ist es denn!”, dachte ich gestern, während ich den geschälten Kohlrabi in zwei Teile hieb und mich der Deutschlandfunk gerade darüber in Kenntnis setzte, dass es tatsächlich Menschen gibt, die behaupten, es sei sinnvoll und rechtens, wenn Konzerne Gemüse und anderes Obst patentieren dürften. Und zwar keine neumodernen Genmanipulationen, sondern Nutzzüchtungen, die bereits unser aller Großväter auf die Felder ausgebracht haben.

Monsanto. Patentpiraterie. Die Gelben Bohnen mexikanischer Bauern. “Wem gehört die Natur?”
Ich weiß ja, dass es das gibt; aber, dass ein britischer Konzern meint, er hätte einen Patentanspruch auf stinknormalen Brokkoli, war mir neu.
“Ja ist es denn!”, knirschte ich schon wieder, diesmal beim Zerhacken der Frühlingszwiebeln, denn diese britischen Forscher, und mit ihnen Monsanto und die anderen bösen Riesen, meinten ein Patent stünde ihnen dann zu, wenn sie im Labor einfach und schlicht ein paar Gene des jeweiligen Gemüses oder Geflügels (denn auf Tiere kann auch ein Patent angemeldet werden) lokalisierten. Ein Vorgang, der in den Laboren heutigentags trivial ist.

Christoph Then, wissenschaftlicher Berater von Greenpeace, bemerkte dazu im DLF:

… dass ist aber technisch so ähnlich, als wenn man früher ein Mikroskop genommen hat oder eine Lupe um zu sehen was vorhanden ist und durch diesen Vorgang der ‘Sichtbarmachung’ der Entdeckung dazu verwendet hätte, um zu sagen die ganze Pflanze ist dadurch zur Erfindung geworden.

Nun könnte man annehmen, das macht ja nichts, wenn die Konzerne da so einen Quatsch finden. Sind eh alles Psychopathen, weiß man ja spätestens seit “The Corporation”. Im Grunde könnte es vielleicht sogar ganz hilfreich sein, hat vielleicht eine entlarvende Wirkung.
Aber nein, dem ist mitnichten so. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass Brokkoli, der Stinknormale, patentiert wird – nicht zuletzt, weil das Europäische Patentamt an durchgewunkenen Patenten verdient, nicht an abgelehnten.
Heute und Morgen bebrütet man nun vor der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts den Präzedenzfall des Brokkolis und ich hoffe, dem Wahnsinn wird Einhalt geboten. Alles andere wäre verrückt und fatal.

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4 Antworten zu Das Brokkoli-Patent

  1. Claudia schreibt:

    Ich werde ein Patent auf Pantoffeltierchen anmelden. Ehrlich, ich hab die Viecher unterm Mikroskop gesehen, in der Schule, und ich hatte sogar den Heuaufguß selbst gemacht und mitgebracht. Also sind es meine, klar? Und jeder, der in einem Freibad oder irgendeinem See oder Fluß schwimmt, schuldet mir dann Geld, weil er meine Pantoffeltierchen verschluckt hat.

  2. Sebastian schreibt:

    Da bekommt das Spiel “Ich sehe was, was Du nicht siehst” eine völlig neue Dimension. Kindergarten-BWL, wenn man so will.

  3. Pingback: Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik – Culture Jamming, Nachhaltigkeit, Konzernkritik, Adbusting » Wer mit der Angst der Menschen Profit macht, Hunger in Deutschland und das Brokkoli-Patent

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